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Uns auf Google folgenChristiane Laibach (64) ist seit 2021 Mitglied des Vorstands der Förderbank KfW und verantwortet dort das internationale Geschäft. Bei der KfW arbeitet sie schon seit 1990. Am 31. Juli geht sie in den Ruhestand. FRChristiane Laibach im Hauptsitz der KfW-Bankengruppe, zu deren Führung sie gehört, in Frankfurt am Main. © Renate Hoyer

KfW-Auslandsvorständin Christiane Laibach erklärt, warum die Förderbank stärker auf deutsche Unternehmen setzt und wie sie sinkende Entwicklungsgelder ausgleichen will.

Geopolitische Spannungen, knapper werdende Haushaltsmittel und neue wirtschaftspolitische Prioritäten verändern die Entwicklungszusammenarbeit global und in Deutschland. Eine zentrale Rolle bei dieser Neuausrichtung soll die KfW spielen. Im Interview erklärt Christiane Laibach, Auslandsvorständin der Förderbank KfW, wie diese sich darauf einstellt und welche Rolle deutsche Unternehmen künftig in dem Bereich spielen sollen.

Frau Laibach, wenn Sie der Entwicklungspolitik der aktuellen Bundesregierung eine Schulnote geben müssten – welche wäre das?

Ich würde sagen: aktuell eine 3+. Und die Note wird besser werden, denn das Reformkonzept geht erst in die Umsetzung.

Was funktioniert aus Ihrer Sicht gut und was läuft schlecht?

Wir befinden uns in einer Welt mit sehr vielen Brüchen. Die Geopolitik ist volatil geworden, das wirkt sich auch auf die Entwicklungszusammenarbeit und internationale Finanzierungen aus. Diese Umbrüche erfordern, dass wir uns in Deutschland und Europa neu orientieren.

Die neue BMZ-Strategie setzt stärker auf geopolitische und wirtschaftliche Interessen. Was bedeutet das konkret für Ihre Arbeit?

Wir in der KfW haben uns auf diese Veränderung vorbereitet, weil klar war, dass die Mittel aus dem Bundeshaushalt sinken werden. Deshalb haben wir unsere Strategie geschärft. Es geht jetzt stärker um wirtschaftliche Zusammenarbeit: Wir fördern staatliche Investitionen, aber genauso den Privatsektor in Entwicklungs- und Schwellenländern. Den sinkenden Haushaltsmitteln begegnen wir mit mehr eigenen KfW-Mitteln. Darüber hinaus haben wir unsere Tochter DEG mit zusätzlichem Eigenkapital ausgestattet, damit sie den lokalen Privatsektor vor Ort sowie Investitionen deutscher Unternehmen stärkt. Sie hat im vergangenen Jahr einen Höchststand in ihrem deutschen Geschäft erzielt. Kredite, an denen deutsche Unternehmen direkt teilhaben, haben mit mehr als 800 Millionen Euro ein Drittel ihres Gesamtgeschäftes ausgemacht.

Zur Person

Christiane Laibach (64) ist seit 2021 Mitglied des Vorstands der Förderbank KfW und verantwortet dort das internationale Geschäft. Bei der KfW arbeitet sie schon seit 1990. Am 31. Juli geht sie in den Ruhestand. FR

Ziel der Bundesregierung ist inzwischen, dass mehr Entwicklungsgelder wieder in die deutsche Wirtschaft zurückfließen. Was tut die KfW konkret dafür?

Es geht darum, intensiver und früher mit der deutschen Wirtschaft und mit einzelnen Unternehmen zu sprechen, um herauszufiltern, wo besonders interessante Felder sind, die die deutsche Wirtschaft in den Entwicklungs- und Schwellenländern besetzen kann, und die gleichzeitig im Interesse unserer Partnerländer sind und deren Entwicklung unterstützen. Dazu haben wir vielfältige Initiativen gemeinsam mit der Bundesregierung gestartet. Und es geht auch um Vergabekriterien. Da stellen wir uns die Frage: Wie können wir die so gestalten, dass deutsche und europäische Unternehmen eine gute Chance haben?

Und zwar?

Die deutsche Wirtschaft ist unverändert stark, wenn es um Qualität geht. Wir suchen nach Sektoren, in denen deutsche Unternehmen stark sind, und schreiben stärker diesbezüglich aus. „Made in Germany“ ist immer noch stark im gesamten Sektor Energie, bei Erneuerbaren, Energieinfrastruktur, großen Schaltanlagen und diffizilen Steuerungssystemen für die Stromnetze. Außerdem rund um Wasser, ob Abwasser oder Recycling. All das spielt bei uns zunehmend eine größere Rolle.

Haben Sie ein Beispiel für solche Initiativen?

Südafrikas Stromsektor steht seit Jahren sehr stark unter Druck. Dort gibt es eine große Nachfrage nach Strom, die nicht bedient werden kann. Über staatliche Finanzierungen haben wir gemeinsam mit anderen internationalen Partnern und der südafrikanischen Regierung an Reformpaketen gearbeitet und den Stromsektor reformiert. Er funktioniert jetzt wesentlich besser – auch, weil die Veränderung mehr private Investitionen anlockt. Wir sehen jetzt, dass wesentlich mehr europäische, deutsche und internationale Investoren dort in erneuerbare Energien investieren. Wir schaffen damit größere Exportchancen für die deutsche Wirtschaft.

Deutschland hat sich im Rahmen der OECD verpflichtet, Entwicklungsgelder weitgehend ungebunden zu vergeben. Auch das EU-Vergaberecht verbietet Bevorzugung eigentlich. Ist das ein Problem?

Wir machen offene, internationale Ausschreibungen. Damit sorgen wir für Chancengleichheit. Es ist so, dass mehr als zwei Drittel unserer Finanzierungen Darlehen sind, keine Zuschüsse. Das heißt: Das Partnerland verschuldet sich, nimmt Kredite auf und muss diese wieder zurückzahlen. Deshalb haben auch unsere Partnerländer ein großes Interesse an Qualität, Nachhaltigkeit und wettbewerbsfähigen Preisen. Dafür stehen deutsche Unternehmen.

Die Zielmarke liegt bei 50 Prozent. Wann erreichen Sie die?

Wir denken, dass wir innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre deutliche Fortschritte in dieser Richtung sehen werden.

Die Partnerländer sind diejenigen, die dann ausschreiben. Wie viel Spielraum haben sie bei diesen Ausschreibungen überhaupt noch?

Die Partnerländer sind federführend in dem Prozess. Sie schlagen die Projekte gemäß ihrer eigenen Entwicklungsstrategien vor. Die KfW achtet darauf, dass alle Beteiligten die international anerkannten Vergaberegeln einhalten.

Und dieser Rahmen wird gerade kleiner?

Er passt sich an die internationalen Gegebenheiten an. Zusammenarbeit kann für uns nur nachhaltig funktionieren, wenn die Interessen des Partnerlandes und die Interessen Deutschlands und Europas gewahrt werden. Das verstehen die Partnerländer.

Ein Argument dafür, deutsche Unternehmen stärker zu berücksichtigen, ist, dass dann etwa chinesische Unternehmen diese Aufträge nicht bekommen. Dahinter stecken geopolitische Erwägungen. Führt das aber nicht auch dazu, dass lokale Unternehmen, die man eigentlich im Sinne einer solidarischen Entwicklungszusammenarbeit fördern sollte, weniger Aufträge bekommen?

Nein, das sehen wir nicht. Gerade bei größeren Projekten ist es üblich, dass signifikante Anteile eines Projektes an lokale Unternehmen gehen. Damit erreichen wir zweierlei: Stärkung der lokalen Wirtschaft und der Einkommen vor Ort sowie Nachfrage nach deutschen und europäischen Produkten.

Erheben Sie Zahlen dazu, inwiefern sich die Beteiligung lokaler Unternehmen in den vergangenen Jahren verändert hat?

Das Thema war bei uns immer stark im Fokus. Mehr als ein Drittel unserer Vergaben gehen an lokale Unternehmen in den Empfängerländern.

Kritische Stimmen werfen der Entwicklungszusammenarbeit immer wieder vor, Projekte seien nicht ausreichend an lokale Bedürfnisse angepasst.

Entwicklungszusammenarbeit erfordert intensive Auseinandersetzung mit den Bedingungen vor Ort. Und es stimmt: Über die vergangenen Jahrzehnte hat es viele Lernerfahrungen gegeben. Heute geht es darum, dass die lokale Bevölkerung auch wirtschaftlich profitiert.

Sie waren gerade in Kenia und haben den Windpark Lake Turkana im Nordwesten Kenias besucht. Was haben Sie dort beobachtet?

Dort geht es im Konflikt zwischen verschiedenen Nutzungen darum, die lokale Bevölkerung einzubeziehen, und Beschäftigungsmöglichkeiten für sie zu schaffen.

Die lokale Bevölkerung wirft den Betreibern des Windparks Landraub vor. Eine Klage dazu läuft vor einem kenianischen Gericht. Solche Klagen sind aufgrund unklarer Landrechte in ehemaligen Kolonien in Afrika keine Einzelfälle. Berechnen Sie ein solches Szenario von vornherein in Ihre Risikoanalyse mit ein?

Die Zahl der Klagen ist überschaubar. Wir kalkulieren Klagewahrscheinlichkeiten nicht ein, sondern streben an, Vorhaben mit den Menschen vor Ort einvernehmlich zu verwirklichen.

Welche Rolle spielt die KfW bei der Sicherung von Rohstoffen für Deutschland?

Über unsere Exportfinanzierung der KfW IPEX-Bank finanzieren wir seit Jahrzehnten Rohstoffprojekte, etwa in Lateinamerika oder Zentralasien. Außerdem managen wir für die Bundesregierung den Rohstofffonds. Dort investiert der Staat über uns in Projekte, die für die deutsche Wirtschaft besonders wichtig sind.

Wie profitieren die Länder selbst davon?

Viele Länder wollen heute nicht mehr nur Rohstoffe exportieren, sondern auch Weiterverarbeitung im eigenen Land aufbauen. Das unterstützen wir ausdrücklich, weil dadurch mehr Wertschöpfung und Einkommen vor Ort entstehen.

Für den privaten Sektor rechnet sich das aufgrund von höheren Zöllen oft nicht. Mit welchen Schritten können sie das also unterstützen?

Wir setzen uns dafür ein, einen verlässlichen Rahmen zu schaffen. Investitionen im Rohstoffsektor haben mit langen Projektlaufzeiten und hohem Kapitaleinsatz enorme Risiken. Im Ausland kommen oftmals politische und rechtsstaatliche Unsicherheit hinzu.

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Wie stellen Sie in fragilen Staaten sicher, dass nicht nur Eliten profitieren?

Wir arbeiten in einigen Ländern, die wir als fragile Kontexte bezeichnen, regierungsfern. Das heißt: Wir arbeiten nicht in der direkten staatlichen Zusammenarbeit mit den Regierungen, sondern über UN-Organisationen und internationale NGOs. Das Ziel ist immer, dass die Wirkungen der Vorhaben unmittelbar der Bevölkerung zugutekommen.

Deutsche Unternehmen engagieren sich im Abbau von Rohstoffen – auch in Ländern, die von Kriegen und Gewalt geplagt sind. Werden diese Situationen ausgenutzt, ohne dass die Bevölkerung profitieren kann?

In solch fragilen Kontexten sind wir als KfW in Rohstoffvorhaben definitiv nicht involviert. Wir setzen auf Länder, in denen die Rahmenbedingungen so gut sind, dass wir sicherstellen können, dass unsere Standards erfüllt werden.

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