Ob Anlagen zur Abwasserreinigung, E-Autos und -Bikes, Lärmminderungsvorrichtungen oder Recyclingtechnologien – Umwelt- und Klimaschutzgüter spielen für die deutsche Wirtschaft eine immer größere Rolle. Laut Umweltbundesamt ist die mit diesen Gütern erzeugte Bruttowertschöpfung seit 2010 im Jahresdurchschnitt um fast 5 Prozent gewachsen und betrug 2023 rund 314 Milliarden Euro. Das waren gut 9 Prozent der Bruttowertschöpfung in Deutschland insgesamt.
Auch im Ausland ist Green Tech made in Germany gefragt (Grafik):
Im Jahr 2023 exportierten deutsche Unternehmen Umwelt- und Klimaschutzgüter im Wert von 132 Milliarden Euro – ihr Anteil an den gesamten Ausfuhren betrug damit fast 8,5 Prozent.
Zwar lieferten die Firmen 55 Prozent der Green-Tech-Exporte in andere EU-Staaten, der wichtigste einzelne Absatzmarkt waren aber die USA, die 10 Prozent aller entsprechenden deutschen Exporte bezogen.
Im Jahr 2023 exportierten deutsche Unternehmen Umwelt- und Klimaschutzgüter im Wert von 132 Milliarden Euro. Der wichtigste einzelne Absatzmarkt waren die USA, die 10 Prozent aller entsprechenden deutschen Exporte bezogen.
In den kommenden Jahren dürfte die weltweite Nachfrage nach Umwelt- und Klimaschutzgütern weiter steigen. Dafür sprechen die Klimaziele zahlreicher Staaten, aber auch die zunehmende Wettbewerbsfähigkeit grüner Technologien und das Interesse vieler Länder an einer von Kohle-, Öl- und Gasimporten unabhängigeren Energieversorgung.
Die Politik von Donald Trump hat Folgen für die deutschen Green-Tech-Hersteller
Davon dürften auch die deutschen Hersteller profitieren. Ob allerdings das US-Geschäft weiter floriert, ist offen. Da ist zum einen die erratische Zollstrategie Donald Trumps, die die deutschen Exporteure generell belastet.
Zum anderen hat Trump dem Klimaschutz den Kampf angesagt: Statt Wind- und Solarenergie will seine Regierung vor allem die Förderung von Öl und Gas ausweiten. Zugleich wurden zentrale Förderprogramme für klimafreundliche Technologien eingeschränkt oder beendet. Die mit dem Inflation Reduction Act eingeführten und ursprünglich bis 2033 vorgesehenen Steuergutschriften für Elektrofahrzeuge und Ladestationen liefen im Zuge des One Big Beautiful Bill Act vorzeitig aus. Entsprechend wurden in den USA in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 nahezu 30 Prozent weniger Elektroautos verkauft als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Die Folgen der politischen Interventionen bekommen auch deutsche Hersteller zu spüren:
Im ersten Quartal des Jahres 2026 exportierte Deutschland reine Elektroautos im Wert von 600 Millionen Euro in die USA – ein Rückgang binnen Jahresfrist um knapp 66 Prozent.
Private Haushalte in den USA erhalten seit Anfang 2026 auch keine steuerlichen Vergünstigungen mehr für den Kauf von Wärmepumpen und Solaranlagen. Für neue Wind- und Solarprojekte wurden die Förderbedingungen ebenfalls deutlich verschärft: Die Betreiber profitieren nur noch von den Steuergutschriften, wenn sie bis Juli 2026 mit dem Bau begonnen haben oder die Anlagen bis Ende 2027 ans Netz gehen.
Wie stark der Kurswechsel konkrete Investitionsentscheidungen verändert, zeigt die Windkraft auf See. Das US-Innenministerium kauft Entwicklern ihre zugesicherten Pachtgebiete gegen Entschädigung wieder ab – bis August 2026 für insgesamt mehr als 3,9 Milliarden Dollar. Auch hiervon ist Deutschland betroffen:
Der deutsche Energiekonzern RWE gab im August 2026 drei Pachtgebiete für geplante Offshore-Windparks vor den Küsten von New York, Kalifornien und Louisiana zurück.
Im Rahmen eines Vergleichs mit dem US-Innenministerium erhält RWE dafür 1,22 Milliarden Dollar. Zugleich kündigte der Konzern Investitionen in fossile US-Energieprojekte an, darunter eine Beteiligung an einem Flüssiggas-Projekt in Louisiana.
Einige US-Bundesstaaten bleiben auf Klimaschutzkurs
Binnen kurzer Zeit hat die Trump-Regierung den Ausbau zentraler klimafreundlicher Technologien erschwert. Zum Erliegen gebracht hat sie ihn allerdings nicht. Das liegt auch an engagierten Bundesstaaten, die ihre Spielräume in der Klima- und Energiepolitik verstärkt nutzen.
Einzelne US-Staaten setzen eigene CO2-Preise und schaffen so Anreize für emissionsärmere Technologien. Kalifornien beispielsweise verfügt mit seinem im Jahr 2012 gestarteten Cap-and-Invest-Programm über das größte und umfassendste dieser Emissionshandelssysteme. Der Bundesstaat hat es im vergangenen Jahr bis 2045 verlängert und damit ein längerfristiges Signal für Unternehmen gesetzt. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Emissionsrechte fließen unter anderem in klimafreundliche Infrastruktur und den Ausbau grüner Energie.
Im Nordosten und an der Atlantikküste haben sich mehrere Bundesstaaten zu einem gemeinsamen Emissionshandel für den Stromsektor zusammengeschlossen. Das Programm begrenzt die CO2-Emissionen größerer Kraftwerke und senkt die zulässige Emissionsmenge schrittweise.
Unterm Strich bleibt der Markt für Green Tech in den Vereinigten Staaten für deutsche Anbieter relevant, er dürfte sich aber in den nächsten Jahren weniger dynamisch entwickeln und schwieriger zu kalkulieren sein. Die Nachfrage wird sich voraussichtlich stärker auf jene US-Bundesstaaten und -Regionen konzentrieren, die eigene, ambitionierte Klimaziele verfolgen oder in denen grüne Technologien auch ohne staatliche Förderung wirtschaftlich sind.


