Der Buckelwal vor der Insel Poel.

AUDIO: Gestrandeter Buckelwal vor Poel: Rettung laut Gutachten keine Option (1 Min)

Stand: 11.04.2026 17:59 Uhr

Dem in der Ostsee vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwal geht es unverändert schlecht. Laut einem Gutachten sind die Erfolgsaussichten für eine Rettung des Wals „sehr gering“.

Dem in der Ostsee verirrten Buckelwal geht es unverändert schlecht. Das bestätigt ein Gutachten des Deutschen Meeresmuseums und des Instituts für terrestrische und aquatische Wildtierforschung (ITAW), das das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern am Sonnabend veröffentlicht hat. Das wiederholte Stranden des Wals deute auf ein ernsthaftes Gesundheitsproblem hin.

Laut Gutachten ist Rettung keine Option

Umweltminister Till Backhaus (SPD) erklärte, dass es keine realistische Aussicht auf Rettung gibt. Ein Eingreifen sei rechtlich nicht zulässig, da das Tierschutzgesetz verbietet, einem Tier zusätzliches Leid ohne vernünftigen Grund zuzufügen. Mit der Veröffentlichung des Gutachtens soll die Entscheidung für jeden transparent nachvollziehbar sein. In dem Dokument heißt es weiter, dass der Wal keinen Einfluss auf die Wasserqualität in der Wismarbucht hat. Backhaus betonte, dass von dem sterbenden Tier keine Gefahr für die Umwelt oder die öffentliche Gesundheit ausgeht.Auch internationale Expertengruppen von Walschützern bestätigen die Ergebnisse des Gutachtens.

Video:
Umweltminister: „Wir tun alles, um dem Wal zu helfen“ (10 Min)

Idee: Wal mit eigenen Gesängen mobilisieren

Aktuell wird geprüft, dem Wal Aufnahmen seiner eigenen Gesänge vorzuspielen. Das Tier hatte in der Nacht zu Sonnabend Laute von sich gegeben. In Absprache mit Wissenschaftlern sollen diese nun wieder ins Wasser gespielt werden, um zu beobachten, wie der Wal darauf reagiert. Dabei handelt es sich um einen minimalinvasiven Versuch, den Wal zu mobilisieren, sagte Minister Backhaus.

Protest für die Rettung des Wals

Rund 150 Menschen in Wismar fordern an der Kaikante die Rettung des gestrandeten Wals.

Rund 150 versammelten sich in Wismar und forderten die Rettung des Wals.

Etwa 150 Menschen bildeten am Sonnabend am Wismarer Hafen eine Menschenkette und forderten Hilfe für den Wal. Weitere Rettungsmaßnahmen sind aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands nicht vorgesehen. Der Wal liegt seit über einer Woche im flachen Wasser der Wismarbucht vor Poel. Man wolle das Tier nun „in Frieden gehen lassen“, so Backhaus. Der Wal gibt weiterhin Lebenszeichen von sich und stößt regelmäßig Luft aus. Laut dem Gutachten reagiert das Tier jedoch kaum auf Annäherungen. Die aufgebauten Wassersprenger benetzen das verletzte Tier zudem weiter mit Wasser aus der Ostsee.

Poels Bürgermeisterin distanziert sich von Kritikern

Zuletzt hatte sich Poels Bürgermeisterin Gabriele Richter (parteilos) in die Diskussion um die Rettungsmaßnahmen eingeschaltet. Die Gemeinde distanziere sich ausdrücklich von einzelnen Kritikern, die „ohne fachliche Qualifikation den zuständigen Stellen ein vorsätzliches, kriminelles Handeln zum Nachteil des Wales“ vorwerfen oder sogar Morddrohungen aussprächen, schrieb Richter am Donnerstag auf der Facebook-Seite der Insel. Gleichwohl verstehe sie, „dass Menschen Anteil am Schicksal des Wals nehmen“. Die Gemeinde unterstütze den Plan, den Wal zur Ruhe kommen zu lassen.

Stephanie Groß, Till Backhaus und Burkard Baschek bei einer Pressekonferenz.

Umweltminister Till Backhaus (SPD) sowie die Expertin Stephanie Groß und der Experte Burkard Baschek äußern sich auf einer Pressekonferenz zu den Überlebenschancen des Buckelwals vor Poel.

Von Transport des Wals abgeraten

Mehrere Expertinnen und Experten, die Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) beraten, bezeichneten den Gesundheitszustand des Wals schon vor Tagen als extrem geschwächt und sahen keine Chance mehr, dass er sich noch einmal freischwimmen kann. Auch sei er in keinem Zustand, um transportiert werden zu können. Würde der Wal mit Riemen oder Schlaufen angehoben, würde er wahrscheinlich „extrem leiden“, hieß es.

Minister schließt Sterbehilfe aus

Minister Backhaus schloss wiederholt jegliche Form von „Sterbehilfe“ für den Wal aus. Es komme nicht infrage, den Wal zu harpunieren, ihn zu vergiften, eine Sprengladung in seinem Maul zu zünden oder ihn zu erschießen. Die Methoden seien für ihn ausgeschlossen und teils auch international geächtet.

Eine Drohnenaufnahme zeigt den Buckelwal in der Wismarbucht

Ob Hörer, Zuschauer oder Social-Media-Nutzer: Alle haben viele Fragen zum Buckelwal. Expertinnen und Experten antworten.

Vier Klagen abgewiesen

Nach Angaben des Verwaltungsgerichts Schwerin gab es vier Eilverfahren im Zusammenhang mit dem gestrandeten Wal, bei denen es um die Rettung beziehungsweise das Ergreifen bestimmter Maßnahmen ging. Alle seien von Privatpersonen gestellt und abgelehnt worden. Begründet worden sei dies mit der Unzulässigkeit des Antrags mangels Antragsbefugnis.

Bergung vorbereitet

Die Behörden und das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund bereiten sich bereits für den Fall des Todes des Tieres vor. Nach einer Bergung des Kadavers soll er nach Stralsund gebracht und von Wissenschaftlern des Meeresmuseums sowie unabhängigen Expertinnen und Experten obduziert werden. Dem Institut für Biowissenschaften der Universität Rostock wurde angeboten, das Skelett wissenschaftlich zu sichern.

Minister will länderübergreifende Zusammenarbeit

Um für eine künftige Strandung vorbereitet zu sein, will Backhaus gemeinsam mit Schleswig-Holstein und Niedersachsen eine Koordinierungsstelle entwickeln, um die Zusammenarbeit zwischen den Ländern voranzutreiben.

Bei sinkendem Wasserstand liegt der Buckelwal in der Kirchsee vor der Insel Poel

Das Schicksal des Wals vor Poel berührt zahlreiche Menschen sehr. Warum das so ist, erklärt Neurowissenschaftlerin Prof. Maren Urner.

Der Irrweg des Wals in der Ostsee

Am 3. März war der Wal erstmals im Hafen von Wismar gesichtet und mithilfe der Naturschutzorganisation Sea Shepherd mit Booten aus dem Hafenbecken geleitet worden. Am 23. März lag er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand. Nachdem für ihn eine Rinne ausgebaggert worden war, schwamm er sich am 27. März frei.

Video:
Im Überblick: Der Weg des Buckelwals im Video (1 Min)

Am 28. März strandete er erneut in der Wismarer Bucht südlich der Insel Walfisch, kam zwischenzeitlich frei, lag anschließend jedoch bis zum 30. März wieder im flachen Wasser fest. In der Nacht zum 31. März setzte er sich abermals in Bewegung. Allerdings schwamm er nicht Richtung Westen, sondern nach Norden und blieb gegen 13 Uhr in der Kirchsee vor Poel liegen.

Blick aus der Entfernung auf den Buckelwal vor Poel.

Der Zustand des Wals ist unverändert. Umweltminister Backhaus hat sich vor Ort ein Bild der aktuellen Lage gemacht.

Der gestrandete Buckelwal vor Poel.

Auch Umweltminister Backkhaus war davon ausgegangen, dass der Wal im flachen Wasser vor Poel sterben würde. Wie geht es nun weiter?

Ein Buckelwal ist vor der Insel Poel gestrandet.

Nachdem der Wal in der Wismarbucht abgetaucht war und frei schwimmen konnte, liegt er nun wieder fest. Die Ereignisse von Dienstag zum Nachlesen.

Ein Wal befindet sich in relativ flachen Wasser vor der Ostseeküste bei Wismar.

Die Prognose für das Tier ist laut Experten nicht sehr günstig. Alle Entwicklungen vom Sonntag gibt es hier zum Nachlesen.

Der verirrte Buckelwal in der Ostsee.

In diesem Liveblog haben wir alle Entwicklungen vom Sonnabend zum Buckelwal in der Wismarer Bucht zusammengefasst

Eine Drohnenaufnahme zeigt den Buckelwal in der Wismarbucht

Der Umweltorganisation Greenpeace zufolge schwamm das Tier nach langer Pause in Richtung des Wismarer Hafens. Alle Entwicklungen von Montag zum Nachlesen.

Der Buckelwal liegt am Nachmittag des 1. April 2026 vor der Insel Poel.

Meeresforscher sehen auch im Klimawandel einen – zumindest indirekten – Grund dafür, dass Buckelwale vermehrt in Nord- und Ostsee gesichtet werden.

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